massel-Newsletter vom 18. Juni 2026
Liebe Sonja, wie schön, dass wir als Verlagsteam Dir zu Deinem Roman DREI WELLEN IM FLUSS jetzt gratulieren dürfen. Das Sendlinger Verlagshäusl und das Team freuen sich, Dein Buch im Programm zu haben.
Magst Du uns erzählen, wie Du zum Schreiben gekommen bist?
Grundlegend hat Glück im Unglück zu meiner schriftstellerischen Laufbahn geführt: Hätte ich nicht pünktlich zur Finanzkrise 2008 meinen damaligen Job verloren und aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten fast ein Jahr lang nach einer neuen Stelle gesucht, dann hätte ich vielleicht bis heute keine Zeit gefunden, meinen ersten Roman – dessen Handlung mir damals schon seit ein paar Jahren durch den Kopf spukte – zu schreiben. So habe ich aber die Gelegenheit 2008/2009 genutzt, und Anfang 2011 ist mein Werk dann in einem renommierten Kölner Verlag erschienen. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue; diese positive Erfahrung durfte ich glücklicherweise schon öfter machen.
Du strahlst diese positive Lebenseinstellung direkt aus. Lebendig und das Leben nehmend. Kann man sagen, dass Du Lebenskünstlerin bist? Also, eine Frau, die mit Freude, neugierig, mit einem wachen Geist und einer großen Portion Zuversicht durchs Leben geht.
Danke für diese Wahrnehmung. Ja, das könnte man schon so sagen. Im Leben passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge, die ich als Einladung betrachte, nochmals etwas Neues zu beginnen oder den Blickwinkel zu verändern. Eigentlich fällt mir also immer wieder etwas ein, Veränderungen scheue ich nicht.
Dein Roman ist Buch Nummer 12, das Du nun im massel Verlag veröffentlichst. Wie bist Du zum Buch gekommen?
Ich habe schon immer geschrieben, seit ich schreiben kann. Natürlich gab es immer wieder Pausen, aber kleine Geschichten sind schon in der Grundschulzeit entstanden. Irgendwann habe ich auch einen Roman angefangen, aber nicht vollendet, weil er mir dann inhaltlich keinen Spaß mehr gemacht hat … Die Idee zum ersten Krimi hatte ich recht früh, da war ich 21 und für ein sehr inspirierendes halbes Jahr in Berlin. Das Großstadtleben und die beobachteten Gegensätze mussten dringend literarisch verarbeitet werden.
Am Anfang war das Schreiben ein bezahltes Hobby – auch nicht schlecht. Nach der Geburt meiner Tochter habe ich mich dann allerdings mehr darauf fokussiert. Wenn mich jemand nach meinem Hauptberuf fragt, antworte ich mittlerweile mit "Autorin".
Was "Drei Wellen im Fluss" angeht, so hat mich ein mittlerweile längst vom Hauseigentümer übermaltes Graffiti an einem Haus in Regensburg in der Nähe der Steinernen Brücke inspiriert, das auch im Roman eine Rolle spielt. Rund um dieses kleine Stück Straßenkunst hat sich also in meinem Kopf die Geschichte entsponnen, die man jetzt in "Drei Wellen im Fluss" zu lesen bekommt.
Wovon handelt Dein Roman? Ist es eine romantische, traurige oder wachrüttelnde Story?
"Drei Wellen im Fluss" handelt von drei Frauen, deren separate und doch stellenweise miteinander verknüpfte Geschichten sich, so unterschiedlich sie auch sind, letztlich doch um die gleichen großen Fragen drehen: Wie selbst- oder fremdbestimmt sind wir? Und was wollen wir wirklich für uns selbst und aus eigenem Antrieb? Die eine begegnet den Ereignissen des Lebens vorsichtiger, die andere mutiger. Sie stoßen alle an ihre Grenzen, sind an unterschiedlichen Punkten in ihrem Lebensweg, finden und definieren sich neu. Unterhaltung mit Tiefgang, könnte man also vielleicht sagen.
Der "Fluss" im Titel ist zum einen ganz wörtlich zu nehmen, denn große Teile der Handlung spielen sich an einem Flussufer ab. Zum anderen ist der Fluss natürlich auch als "Fluss des Lebens" und somit metaphorisch gemeint.
Was bedeuten die drei Wellen?
Die drei Wellen stehen sinnbildlich für die drei Frauen, die sich in ihren jeweiligen Geschichten bewegen, bewegt werden und dabei auf ganz individuelle Art und Weise agieren und reagieren.
Was ist die Motivation, einen modernen Roman in der Jetztzeit zu schreiben? In welches Genre würdest Du Deinen Roman selbst einordnen und was macht ihn besonders?
Grundlegend ist es immer die gleiche Motivation, die einen zum Schreiben bringt: Man meint, etwas zu sagen oder zu erzählen zu haben. Mein Roman passt vielleicht nicht in eine klassische Kategorie oder Schublade. Für mich ist "Drei Wellen im Fluss" ein Entwicklungsroman im modernen Outfit. Was daran besonders ist, lasse ich gerne die Leser entscheiden.
Selbstermächtigung bei Frauen ist gesellschaftlich gerade wieder ein großes Thema und es gibt eine neue Frauenbewegung: Frauennetzwerke, Frauen-Workshops, neue Weiblichkeit, feminine Finanzunabhängigkeit, neue Strukturen in Familie und Gesellschaft jenseits von patriarchalischen Systemen … Hat Dich diese Energie inspiriert? Was ist Dein persönlicher Bezug zum Thema „Selbstbestimmung und Authentizität der Frau“?
Da ich eine Frau bin, und das auch mit großer Begeisterung, liegt der Bezug auf der Hand: Der weibliche Blick auf das Leben liegt mir nahe, auch wenn ich der festen Überzeugung bin, dass es keine Notwendigkeit gibt, sich den leider zahlreichen Klischees zu beugen. Deshalb ist mein Ansatz wohl auch ein sehr individualistischer und nicht auf Geschlechter- oder Frauenfragen fokussiert. Grundlegend wünsche ich jedem Menschen, ganz unabhängig vom Geschlecht, das Gefühl, mit sich selbst, seinen Entscheidungen und seinem Leben im Reinen zu sein. Es geht mir also weniger um explizit weibliche als vielmehr um menschliche Selbstermächtigung.
Ist Dein Roman ein reiner Frauenroman? Gehört er in die Kategorie „Wir wollen auf jeden Fall ein Happy End?“
Das kommt darauf an, wie man Happy End definiert. Wenn mit Frauenroman etwas in Richtung von "Frau sucht Mann, Frau findet Mann, Frau und Mann haben Probleme, Frau und Mann lösen Probleme, Frau und Mann gründen eine Familie und leben glücklich miteinander bis ans Lebensende" gemeint ist, dann gibt es weder klassische Happy Ends für meine drei Protagonistinnen, noch handelt es sich um einen Frauenroman. Ich bin, wie schon angesprochen, kein Freund von Klischees, verzichte in meiner Geschichte möglichst weitgehend darauf, auch wenn sie sich gerade im Literarischen nicht immer vollständig vermeiden lassen. In "Drei Wellen im Fluss" hatte ich aber genug Raum, um den drei Protagonistinnen völlig unterschiedliche Wesenszüge, Lebenssituationen und Herausforderungen gönnen zu können. Insofern bin ich optimistisch, dass der Roman auch von Männern, die der unterhaltenden Literatur zugewandt sind, als unterhaltsam oder mit Mehrwert verbunden empfunden werden kann.
Hast Du eine Botschaft an Deine Leser und Leserinnen?
Wenn es eine gäbe, dann wäre sie auf jeden Fall kein Imperativ, sondern eine Einladung, Veränderungen und Entwicklungen, kurz: das Leben selbst mit allen guten und schlechten Seiten, zuzulassen, es zu wagen, den eigenen Lebensweg frei von gesellschaftlichen, familiären oder sonstigen Erwartungen zu gestalten, und sich vielleicht auch selbst von Altlasten zu befreien, die bis in die Gegenwart prägen und beeinflussen.
Liebe Sonja, ich danke Dir für das inspirierende Gespräch!