Interview mit der Autorin
Isabelle Krötsch

massel-Newsletter vom 8. Oktober 2026

 

Liebe Isabelle, wir freuen uns sehr, dass wir wieder mit Dir zusammenarbeiten durften. Magst Du unseren Lesern kurz erzählen, wie sich unsere Wege vor zwei Jahren kreuzten?

Eigentlich ist Timpetaa dafür verantwortlich! Der kleine Pinguin, ersonnen von meinem Freund Matthias M. Weiss hat mich verzaubert und so willigte ich ein, die Illustrationen für dieses Werk zu übernehmen. Das Interesse an ganzheitlicher Spiritualität hatten Matthias und mich zusammenfinden lassen und wir behielten über die Jahre einen regen Austausch zu den Dingen des Lebens. Die Zusammenarbeit war eine Art logische Schlussfolgerung, unsere Gedanken auch in eine gemeinsame Form zu bringen. Ich sah in dieser offenen Geschichte das Potential, diese Tiefe auch über Bilder (für Kinder) wieder zu spiegeln. Durch diese Arbeit kamen Martin Sell und ich ins Gespräch und eines Tages sagte ich ihm, dass ich schon etwas länger über eine Buchidee brüte. Thematisch hatten wir uns noch zusätzlich über einen meiner Text gefunden, der im NACHHALL erschienen war: »Wahrheit wird Mainstream«.

 

Du bist Künstlerin durch und durch und sagst über Dich, dass Du eine Reisende zwischen den Welten bist. Wie kamst Du zum Schreiben? Wie kam Achill zu Dir?

Das Schreiben war eigentlich die Sache meiner Mutter in unserer Familie. Ich war immer die bildende Künstlerin. Zeichnung, Malerei und szenische Gestaltung waren meine Handschrift. Aber als sie 2018 heimging, überreichte sie mir in gewisser Weise den Staffelstab und ich bekam Lust, meine künstlerischen Themen und Reflexionen durch das Wort zu vertiefen.

Das lag auf der Hand, denn ich bin immer eine Wort-Bildnerin gewesen und auch im Theater und sogar in der Malerei waren oft Texte, Stücke, Gedichte und auch Philosophie Ausgangspunkt meines Schaffens. Zusammen mit meinem Mann Hans Kremer haben wir neben dem klassischen Theater ab 2013 transdisziplinäre Projekte ins Leben gerufen, für die ich auch oftmals schon zur Feder gegriffen hatte. Es lag mir am Herzen, all die Themen, die mich begeisterten oder auch herausforderten auf multidimensionale Weise zu durchleuchten. Ich habe mich in dem Sinne nie auf eine bestimmte Vorgehensweise in meiner künstlerischen Arbeit festnageln lassen.

Ab 2018 habe ich erst einmal für die Mutredaktion von Rubikon.news geschrieben. Später kamen andere Zeitschriften hinzu wie das NEXUS-Magazin und WissenschafftPlus. Aber in der Zeit um Timpetaa wurde es offenkundig, dass ich mich Richtung Fiktion weiterentwickeln wollte. Hier ist, ganz nach meinem Motto, die Narrenfreiheit der Kunst zur Wahrheitsfindung einzusetzen, mehr möglich als in Sach-Texten. Als Künstlerin, Zeichnerin und Malerin habe ich mir einen skizzenhaften, collageartigen Stil angewöhnt, um ganz den Augenblick einzufangen und gleichzeitig den Raum für eigene Assoziationen des Betrachters offen zu halten. Eines unserer Hausformate ist das LAUT.MALEN, das heißt live zeichnen zu Texten und Musik. Da muss jeder Strich sitzen und auch dramaturgisch mitgedacht werden, wann man mit welchem Pinselstrich was erzählen will.

Dieses spielerische Übereinanderschichten von GeSchichten ist auch meine Schreibgrundlage geworden. Ich schreibe ebenso intuitiv assoziativ wie ich zeichne.

Das Paradox von Achill und der Schildkröte ganzheitlich zu entschlüsseln war ursprünglich Teil eines Drehbuchs, an dem ich viele Jahre webte. Und eines Tages war klar, dass es viel stimmiger wäre, dieses sinnbildliche Rätsel in einer geschriebenen Geschichte zu ergründen. Diese Idee trug ich einige Zeit mit mir herum. Als ich Martin Sell näher kennenlernte, spürte ich, das ist der richtige Verleger für diese Entdeckungsreise, die Genres und lineare Weltsicht sprengt.

 

Isabelle KrötschSelbstbildnis: Isabelle Krötsch und die Schildkröte, September 2026

„Achills Ruhe“ ist eine multidimensionale Entdeckungsreise und erscheint nicht nur als Buch, sondern auch als Hörbuch. Wie kam es zu der Idee?

Wie gesagt, Hans und ich sind ein Künstlerpaar, das sehr gerne und viel zusammenarbeitet. Wir haben nicht nur Theaterprojekte zusammen verwirklicht, auch einen Kinofilm – BÜCHNER.LENZ.LEBEN und bereits ein anderes Hörbuch zu unserem PEER.GYNT-Projekt. So lag es auf der Hand, ACHILLS RUHE ebenfalls von verschiedenen Seiten zu beleuchten.

Und es ist mehr als ein Buch: Es ist eine Agora, eine Begegnungsstätte. Zunächst virtuell, über die zum Buch gehörenden Homepage, auf der man Hintergrundinformationen zu den im Buch behandelten Themen erhält.

Das Buch, das wir bald in den Händen halten, ist dabei ein Auftakt. Siebzehn von insgesamt vierzig Kapiteln. Monatlich erscheint ein neues Kapitel online auf der Homepage, bis wir hoffentlich bald genügend finanzielle Mittel zusammen haben, um die weiteren Bände zu veröffentlichen. Auf der Homepage kann man die Kapitel lesen (Ab Erscheinung Kapitel 18 – »Wahrheit wahrnehmen«), aber auch Podcasts, Animationen und externen Verlinkungen folgen.

Der Schauspieler Hans Kremer verkörpert den Helden Achill. Es ist auch sein Herzensprojekt und er hat auch manche Ideen eingebracht während des Schreibvorgangs. Zigmal hat er mir das Manuskript vorgelesen und wir haben zusammen an Bildern und Wortwahlen gefeilt. Ich habe die gezeichnete Figur Achill deshalb auch gleich ein wenig an ihm angelehnt. Er wird als ACHILL zu hören, aber auch zu sehen sein, wenn wir diese Geschichte als LAUT.MALEN aufführen.

ACHILLS RUHE soll als transdisziplinäre Begegnungsstätte auch dazu einladen, dass sich Menschen analog treffen, dass sich visionäre Initiativen verknüpfen. Es ist ein freies Feld: In Konzerten mit Vortrag, Seminaren mit Performance, Kunst-Salons mit Konvivialität oder noch zu ersinnende neue Formate des gemeinsamen Erlebens. Der Phantasie soll hier keine Grenzen gesetzt werden. Es geht um neue Wege der Kunst und Kulturvermittlung für eine neue Erde. Und das nicht als Luxusgut, sondern als elementares Lebensmittel. Kunst ist im besten Fall Begeisterung und Spiegel der Schöpfung. In diesen turbulenten Zeiten ist sich dem »Schönen, Wahren, Guten« zu widmen ein bewusster Akt der Heilung, des Friedens. Zu vielen gesellschaftsrelevanten und weltbewegenden Themen gibt es in ACHILLS RUHE Impulse und Inspirationen. Es ist wirklich eine Entdeckungsreise. Jeder kann daran teilnehmen – und wenn er möchte, sich einbringen.

 

Liebe Isabelle, vielen Dank für Deinen wunderbaren Einblick in Deine künstlerische Arbeit. Wir wünschen Dir und Hans viel Erfolg mit »Achills Ruhe«, sowie einen inspirierenden Austausch und Dialog mit den Lesern und Zuhörern. Wir freuen uns sehr, diese Reise mit Euch beiden zu erleben.

 

 


Autorin & Illustratorin

Isabelle Krötsch

Isabelle Krötsch

Isabelle Krötsch ist eine Reisende zwischen den Welten. Sie nutzt die Narrenfreiheit der Kunst, sich wesentlichen Themen zu nähern. Das Ergründen des Sinn-Reich und dabei keinen Halt vor Konventionen und gesellschaftlichen Normen zu machen, ist ein Markenzeichen geworden. Nach ihrem Studium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Jürgen Rose arbeitete sie zehn Jahre als Bühnen- und Kostümbildnerin, bevor sie eigene szenische Projekte ersann und mit dem Schreiben begann, u.a. für Rubikon.news, Nexus Magazin und WissenschafftPlus.

In Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Hans Kremer entstehen Filme (Büchner.Lenz.Leben), Hörbücher, und transdisziplinäre Projekte, die sich dem Bewusstseinswandel durch die Wiederbelebung der einst vereinten Schönen Künste widmen.

Nach „Timpetaa“ erscheint nun im Massel-Verlag „Achills Ruhe“, dass die Tradition der transdisziplinären Begegnungsstätte als Gesamtkunstwerk „Leben“ wieder aufgreift.